Equipment

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Immer wieder höre ich von Freunden und Bekannten die Aussage: „Mit so einer Kamera oder mit so einer Ausrüstung könnte ich auch solche schönen Bilder machen“. Auch erlebe ich es immer wieder, das Fotoeinsteiger, gleich ganz am Anfang ihrer Fotografiekarriere, in die teuerste Fotoausrüstung investieren. Weil sie glauben, das dann automatisch bessere Fotos möglich sind.

Aber ist das wirklich wahr? Ist das wirklich so? Macht ein teures Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro, wirklich einen guten Fotografen aus? Macht es tatsächlich Sinn, gleich beim Einstieg in die Fotografie, Fotoausrüstung im Wert eines Kleinwagens anzuschaffen?

100 % ja oder nein, kann man meiner Meinung nach nicht sagen. Denn wie bei jedem Märchen, jeder Geschichte oder jeder Erzählung, gibt es immer einen wahren Kern.

Was spricht also dafür:

  • Oftmals beschäftigt man sich, auf Grund der hohen Investitionskosten, welche getätigt wurden, viel intensiver und ausführlicher mit der ganzen Materie und macht dadurch deutlich schnellere Lernfortschritte. So sind die ersten Erfolge in viel kürzerer Zeit erreichbar.
  • Technisch gesehen, stimmt diese Aussage sogar. Denn mit einer Kamera welche über einen sehr lichtintensiven Sensor verfügt, sind auch Fotos in Gebäuden oder Räumlichkeiten möglich, ohne starkes Rauschen. Mit einem teuren lichtstarken Objektiv lassen sich auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gute Bilder machen. Und mit einer Kamera, mit vielen Fokuspunkten und einer besonders schnellen Auslösezeit lassen sich auch bewegte Motive sehr gut und auch scharf einfangen.
  • Wer jetzt als Hochzeitsfotograf, bzw. als Fotograf im Allgemeinen, tätig werden will, braucht bei einer Hochzeit oder einem Fotoshooting nicht mit einer Kompaktkamera, einer günstigen Einsteigerspiegelreflexkamera oder einem Smartphone aufzutauchen. Die Kunden haben nämlich auch genau diese Geschichte im Hinterkopf „Eine gutes Fotoequipment macht einen guten Fotografen aus“. Im Prinzip ist also eine teure Ausrüstung auch eine Art Statussymbol.
  • Eine teure Ausrüstung wird viel mehr wertgeschätzt und mit viel mehr Sorgfalt und Liebe behandelt. Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, das eine teure Ausrüstung einfach viel mehr Spaß macht. Weil es einfach eine viel höhere Wertigkeit und Verarbeitungsqualität aufweist.
  • Eine teure Ausrüstung ist ein hochwertiges Werkzeug. Genauso wie der Handwerker eine Bohrmaschine von einer Markenfirma verwendet oder der Friseur die teuren Scheren von einem renommierten Hersteller. Für Profifotografen ist also eine teure Ausrüstung ein notwendiges Werkzeug.

Was spricht dagegen:

  • Das eine teure Ausrüstung bessere Bilder und somit einen besseren Fotografen ausmacht, ist eine der Kernaussagen der Hersteller von Kameras und Ausrüstung. Es liegt auch ganz klar in deren Interesse, das sich die Kunden mit teurer Ausrüstung eindecken und möglichst oft und häufig neues teures Zubehör erwerben. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das ganz klar nachvollziehbar. Denn bei den Herstellern handelt es sich oftmals um börsennotierte Unternehmen welche sich vor ihren Aktionären verantworten müssen und der Gewinnmaximierung verpflichtet sind.
  • Wenn es tatsächlich so einfach wäre, bräuchte sich jeder, der Star in einer Sportart werden will, einfach nur mit der teuersten Ausrüstung einzudecken. Du kaufst dir also das teuerste Fußballtrikot, die teuersten Fußballschuhe und den teuersten Fußball und schon bist du der beste Fußballer. Das dies nicht ganz so einfach funktioniert, dürfte jedem klar sein. Um in einem bestimmten Bereich gut zu werden, gehört sicherlich zum einen ein gewisses Talent, aber zum anderen auch jede Menge Anstrengung, Schweiß und Training dazu. Sicherlich es macht mehr Spaß und lässt sich vielleicht auch besser trainieren, mit einer hochwertigen Ausrüstung. Eine teure Fußballausrüstung macht aber noch lange keinen Top-Spieler aus.
  • Es ist wieder einmal die magische Pille, die uns verspricht, das du so schnell zum Erfolg kommst. Die magische Pille, die uns auch die Hersteller von Diätprodukten, von Muskelaufbaupräparaten oder die Erfolgs-Coaches versprechen. Die magische Pille vom anstrengungslosen Erfolg.
  • Häufig verlieren Fotoeinsteiger auch sehr schnell wieder die Lust an der Fotografie, weil sich die gewünschten Ergebnisse nicht so schnell einstellen. Dann ist die Kamera zu schwer, zu unhandlich, unpraktisch und kompliziert. Die teure Ausrüstung vermodert dann in Schränken oder Schubläden. Oder findet auf ebay und Co. einen neuen Abnehmer.
  • Fotografie ist ein Handwerk. Die Ausbildung zum Fotografen dauert mehrere Jahre und es gibt hier auch die Möglichkeit einen Meister in diesem Beruf zu machen. Bevor also in eine teure Ausrüstung investiert wird, sollte erst einmal jede Menge Zeit und vielleicht auch etwas Geld in die Ausbildung investiert werden. Fotobücher, Workshops und Seminare aber auch Youtube-Videos können hier einen wertvollen Beitrag leisten. Ganz wichtig ist es die Grundlagen zu lernen, quasi das ABC oder 1×1 der Fotografie. Gestaltungsregeln, Licht, Blende, Belichtungszeit, ISO usw.
  • Neben den theoretischen Grundlagen macht es auch Sinn, die technischen Grundlagen und Einstellungsmöglichkeiten der Kamera kennenzulernen. Ganz wichtig ist es meiner Meinung nach, den Automatikmodus schnellstmöglich zu verlassen. Auch hier können Youtube-Tutorials und Anleitungen einen sehr wertvollen Beitrag leisten.
  • Wer mit der Fotografie beginnt, fotografiert erst einmal alles Mögliche. Je mehr Erfahrung aber vorhanden ist, desto mehr spezialisieren sich die meisten Fotografen auf bestimmte Bereiche. Wer gleich zu Anfang in eine teure Ausrüstung investiert, wird nicht umhin kommen, zu einem späteren Zeitpunkt eine Menge weiteres Geld zu investieren. Denn je nach Fotografie-Richtung werden ganz unterschiedliche Voraussetzungen benötigt. Wer viel Landschaften oder auch Architektur fotografiert, benötigt Weitwinkelobjektive, wer Hochzeiten fotografiert, benötigt vielleicht teure lichtstarke Objektive und Kameras mit sehr lichtempfindlichen Sensoren. Und wer Sportveranstaltungen fotografieren will, benötigt teure Kameras mit schnellen Auslösezeiten und teure lichtstarke Teleobjektive.
  • Wer mit der Fotografie beginnt, ist sich oft unsicher und sehr oft auch mit der Technik, den Gestaltungsregeln und der Fotografie im Allgemeinen überfordert. Es macht also Sinn, mit einer günstigen Kamera zu beginnen und zu üben. Denn Übung macht den Meister.

Fazit:

Gerade Einsteiger sollten möglichst günstig beginnen, idealerweise mit einer günstigen Einsteigerkamera. Nahezu jeder Hersteller bietet günstige Einsteigermodelle, welche in der Regel mit einem Kit-Objektiv geliefert werden. Und dann heißt es üben, üben und nochmals üben.

Lieber etwas Geld in eine fundierte Ausbildung wie Bücher, Kurse, Workshops und Seminare investieren.

Stellt sich dann die Fotografie als ein Hobby heraus, für das Begeisterung, Leidenschaft aber auch eine gewisse Frustrationstoleranz vorhanden ist. Wenn die Grundlagen sitzen, der Fotograf jede Menge fotografiert und Fehler gemacht hat und dann auch klar ist, in welche Richtung der Fotograf gehen will.

Dann kann es Sinn machen, zielgerichtet in die entsprechende Fotoausrüstung zu investieren. Denn ab diesem Punkt ist es oftmals auch möglich, sich etwas Geld mit der Fotografie hinzuzuverdienen oder gar eine nebenberufliche oder hauptberufliche Existenz als Fotograf zu beginnen.

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